Anweisungen zur Sammlung und Zusammenschreibung der heimischen Ortsnamen von Kalmar Antal 1864

Kalmar, Antal: „Anweisungen zur Sammlung und Zusammenschreibung der heimischen Ortsnamen“, 01.06.1864, S. 327 – 330; Handschriftensammlung der Széchényi Nationalbibliothek Budapest                                         
                                              (eingesendet von Gitzing Christian)
Zum Punkt 1.   Komitat Temes; Bezirk Neu-Arad, Kreis Marosmelek oder Marosmente, Amtssitz des Stuhlrichters: Neu-Arad.
Zum Punkt 2.   Der einzige jetzige Name der Gemeinde ist „Deutsch Sankt Peter“.
Die Einwohner der in der Umgebung liegenden Ortschaften nennen diese Gemeinde gewöhnlich so: Die Ungarn   Nemet Szent Peter, die Walachen   Szent Petru Nyemczeszk (in rumänischer Schreibweise: Sânpetru Nemţesc, Anm. des Autors), die Serben – Szent Peter Nemetzki.
Zum Punkt 3   Der ursprüngliche Name dieser Ortschaft war Szent Peter; der Nemet -
Vorname (Nemet = Deutsch) kam später hinzu, als Racz Sz. Peter (Serbisch St. Peter) entstanden ist (Siehe zum Punkt 4.).
Zum Punkt 4 – Nach den Feierlichkeiten, die Peter und Paul gewidmet waren, wurde am 4. Juli 1824 die Hundertjahrfeier der Gründung der Gemeinde gefeiert.

Zum Punkt 5 –Die Siedlungsgeschichte ist bis heute mündlich überliefert. So weiß man, dass die Einwanderer aus folgenden Gebieten kamen: Großherzogtum Baden, neben dem Rheinfluss, von Elsaß, Herzogtum Brandenburg und von der Umgebung der Stadt Trier, die momentan zu Preußen gehört.
Zum Punkt 6 – Über den Ursprung des Namens Nemet Szent Peter konnte man bisher nichts Sicheres ermitteln, aber es ist wahrscheinlich, dass dies mit folgender Tatsache verbunden ist: Ein Teil der hier angesiedelten Einwohner kam aus der Ortschaft Minrach am 4. Juli 1724 an, als gerade die Sankt Peter gewidmeten Feierlichkeiten stattfanden. Also, sie wählten als Schutzheiligen der Ortschaft den oben genannten Apostel, und so bekam die Gemeinde seinen Namen. Das Vorwort „Deutsch“ wurde erst am Anfang dieses Jahrhunderts hinzugefügt, als die Ortschaft Racz Szent Peter (Serbisch St. Peter) gegründet wurde, damit man unterscheiden konnte, dass in dieser Ortschaft Deutsche wohnen und in der anderen, Serben.
Die Gesamtoberfläche der Gemeinde umfasst 8238 Katastrialjoch und 593 Quadratklafter. Die Ortschaft liegt vorwiegend am nordwestlichen Teil dieser Fläche. Im Süden ist sie von den Weingärten umfasst. Im Osten, Westen und Norden (neben den Weingärten) ist die Ortschaft mit Weiden begrenzt (Aranka).
Die Gemeinde wird in der Ost-West-Richtung von 4 Gassen durchquert, weiterhin befinden sich hier noch 2 Gassen, die die Ortschaft nicht ganz durchqueren. Die Namen dieser Gassen sind: „Grosse Gasse“, Kirchen-Gasse, Els-Gasse und Vorstadt. Eine von den vieren wurde durch eine enge Gasse mit der Grossen Gasse verbunden, die man jetzt Waldgässchen nennt.
Es befindet sich noch am östlichen Rand der Ortschaft eine Stelle, die Festung heißt. Hier wurden in einer Reihe 10 Häuser gebaut, wo Zigeuner wohnen, seit 60 70 Jahren aber in Hütten wohnten. Jetzt wohnen sie in den erwähnten Häusern.
In Richtung Osten und Süden der Gemeinde befinden sich die Urbaren-Felder der Ortschaft, die in vier Flure eingeteilt sind. Die erste ist die Morgenflur, die zweite die Mittagsflur, die dritte die Abendflur und die vierte wurde ursprünglich als Heuwiese benutzt und jetzt wird sie mit geringer Ausnahme als Ackerfläche benutzt. Sie trägt den Namen Töviskes (= dornig, stachelig). Diesen ungarischen Namen bekam sie, weil sich hier vor 80 Jahren eine dornige Hecke erstreckte.
Das ganze Gebiet von Deutschsanktpeter ist in der Richtung von Osten nach Norden von einem 4 6 Klafter hohen Höhenzug durchquert. Dieser teilt das Gebiet in niedrigere und in höher gelegene Stellen. Der erwähnte Höhenzug ist geschlängelt, und man kann ihn besser als Ufer bezeichnen; er wird Rechberg genannt. Nicht die heutigen Menschen, sondern die damaligen Generationen hielten ihn für ein früheres Marosch-Ufer. Diese Vorstellung scheint bestätigt zu sein durch die Tatsache, dass der Boden in seinen unteren Teilen sandig ist, was darauf hinweist, dass hier vor etwa 2 3 Jahrhunderten noch Wasser existierte.
Die höheren, hügeligen Stellen des Gebietes von Deutschsanktpeter erstrecken sich durchgehend in einer Länge; es sind natürliche Standorte. Sie haben keine eigenen Namen, außer dem „Katzengraben“, der eine Vertiefung darstellt.
Der Katzengraben war vor hundert Jahren noch ein Wald mit Gestrüpp und Dickicht, wo sich Wildkatzen aufhielten.
Die niedrigeren Stellen der Gemeinde, außer der Stelle, wo damals die Marosch geflossen ist, waren mit Wäldern bedeckt. Jetzt existieren hier fruchtbare Äcker. Das Vorhandensein der damaligen Wälder ist noch heute durch eine stattliche einsame Eiche (Bilderbaam) bestätigt.
Der Abschnitt des gewesenen Marosch-Ufers, der sich näher zur Gemeinde erstreckt, trägt den Namen Rechberg und den Teil, der zur benachbarten Gemeinde (Munar) fällt, nennt man Wolfsberg, weil hier damals, als noch der Wald bestand, Wölfe und Rehe vorkamen.
Jetzt befinden sich hier die Weingärten, welche einen guten, aber nur für kurze Zeit haltbaren Wein ergeben.
Am Rand des Wolfbergs in Richtung Norden, an der Straße Neu-Arad – Perjamosch, in Richtung Kloster Bezdin, erstreckt sich eine Stelle, die von den Walachen „Csetatie“ (in rumänischer Schreibweise: cetăţie oder cetăţuie) genannt wird, und die Einwohner der Gemeinde nennen es „das Römische Lager“. Im Jahre 1836 wurden an dieser Stelle Weinreben angepflanzt, und man fand dabei viele alte Gegenstände und Waffen unbekannter Herkunft.
Wie früher erwähnt wurde, befanden sich Wälder und seichtes Wasser an nieder gelegenen Stellen der Ortschaft, die aber inzwischen zu Ackerfeldern und an der tiefsten Stelle, wo das Wasser steht, Arankagraben heisst. Die Aranka schlängelt sich mal breiter, mal enger um die Ortschaft. Sie führt neben dem nördlichen Teil der Gemeinde in die Richtung der benachbarten Gemeinde (Munar) und ist von hohem Rohr begrenzt. Es sind auch Fische vorhanden, und das Wasser verschwand von dieser Stelle nur in den späteren Jahren.
An dem tiefer gelegenen Teil des Gebietes der Gemeinde Deutschsanktpeter befinden sich etwa hundert Katastrialjoch und an einem höheren Standort, den man Goliath nennt. Diese Anhöhe ragte während der Marosch-Überflutungen empor. In den 2 3 Fuß tiefer gelegenen Bodenschichten ist Kies abgelagert.
Während der Ackerbauarbeiten wurden hier die Fundamente eines alten Gebäudes gefunden. Diese Tatsache scheint eine alte mündliche Überlieferung der hiesigen Bevölkerung zu bestätigen, nach welcher damals an dieser höheren Stelle ein riesiger Mensch (Goliath) wohnte, und nach ihm wurde diese Stelle benannt.
Am tieferen Teil der Gemeinde erstreckt sich ein in gutem Zustand befindlicher 8.500 Katastrialjoch großer Wald, der Nemetszentpeteri-Wald heißt. Der in Richtung Marosch gelegene Teil des Waldes wird vom Personal der Forstwirtschaft, das den Wald bewirtschafte, Remete (Einsiedler) genannt, ohne dass dieser Name eine besondere Bedeutung hat.
In der nördlichen Richtung der Gemeinde bildet die Marosch die Grenze. Für den Schutz gegen Überschwemmungen, die von diesem Fluss verursacht wurden, hat man im Jahre 1821 einen Damm errichtet, welcher das Talgebiet schützt, wo auch die Gemeinde Deutschsanktpeter liegt. Am anderen Rand des Ufers liegt die Stadt Pecska, mit welcher die Gemeinde Deutschsanktpeter durch eine Fähre sowie einen angelegten Weg verbunden ist.
In Richtung Osten befindet sich die Ortschaft Fönlak, in südlicher Richtung Majlatfalva, Tureghyhazipuszta und Ketfel, während im Westen Munar, Kisfalu und die Grenzsteine des Klosters Bezdin die Grenze der Gemeinde bilden.
Diese Angaben wurden von den kirchlichen Büchern (Matrikeln) sowie nach Erkundungen (von der Bevölkerung) notiert, am 1 Juli 1864.
Kalmar Antal, Notar.
Übersetzung: Karl Karacsony, mit einigen Korrekturen des Autors.

800px BanatDSPeter Josephinische Landaufnahme pg016Österreichisches Staatsarchiv;Abteilung Kriegsarchiv, Kartensammlung: Sign.:B IXa 577, Josephinische Landaufnahme 1769