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Kirchengeschichte von Deutschsanktpeter

Autor: Ewald Hensl (Oktober 2009)

 

Erste Bethäuser

Die ersten Ansiedler kamen gemeinsam mit ihrem Pfarrer Caesar Lacour aus Lothringen (Lauer, † 29.7.1726) und fanden ihre neue Heimat an einem Ort der seit dem Jahr 1332 den Namen Sankt-Peter trug und wohl auch schon mal eine Kirche hatte. Bei der Besiedlung durch die Donauschwaben stand diese nicht mehr. Wo die ersten Gottesdienste abgehalten wurden ist nicht belegt.

 

1726 wurde ein zweites Bethaus während der Amtszeit von Pfarrer Krizsanits Andreas erbaut, welches auf dem Grundstück des Berger-Wagner–Hauses in der Frankengasse Nr.23 stand und ab 1737 als erste Schule diente.

 

Zwischen 1729 und 1738 wurde unter Pfarrer Wilhelm Göbel aus Würzburg das Bethaus zu einer Holzkirche umgebaut. Laut Aufzeichnungen in der Historia Domus wäre der Pfarrer fast von einem herabfallenden Balken erschlagen worden.

 

Zwischen 1730-1732 sorgte Pfarrer Mathias Novak aus Laibach für die Anschaffung einer Kommunionbank, einer blechernen Monstranz und eines Altarbildes.

 

Pfarrer Franz Komaromy, der 20 Jahre in der Pfarrei blieb, vervollständigte die Ausstattung mit Statuen, Fahnen, Bildern, einem Kommunionskelch u.a. Unter seiner Amtszeit wurde seit 1745 das Kirchenmatrikelbuch geführt.

 

Kirchenbau

1773-1774 wurde die jetzige Kirche unter dem Pfarrer Josef Herdegen erbaut. Sie ist den Aposteln Petrus und Paulus gewidmet. Der erste Gottesdienst konnte im Oktober 1774 abgehalten werden. Die Kirche wurde durch finanzielle Unterstützung der Kameralherrschaft und tatkräftigen Einsatz der Bevölkerung gebaut. Als Pfarrer Josef Herdegen 1776 starb, ließen ihn die Einwohner aus Dankbarkeit unter dem Taufbrunnen begraben.

 

Zwischen den Jahren 1815-1855 leitete Pfarrer Josef Ebner die Pfarrei. Er war äußerst verdienstvoll für unser Dorf. Er gründete mehrere gemeinnützige Stiftungen z.B. „Ebners Jugendstiftung“, und regte den Bau einer Kirche in Szekesut an.

 

1825 wurde von Cajetanus Karlik aus Temeswar eine Turmuhr in unsere Kirche eingebaut und 1860 bekam unsere Kirche eine Orgel (siehe Kapitel Orgel).

 

1883 wurde an der Kirche anlässlich einer Reparatur das Dach angehoben, außerdem wurde das Pfarrhaus renoviert.

 

1895 wurde die Kirche erneut renoviert.

 

1910 wurden die drei Altäre angeschafft, der alte Hochaltar ging nach Totina. Die Altäre sind von einem Tiroler Holzschnitzer gebaut. Der Hochaltar ist den Heiligen Peter und Paul gewidmet. Der linke Seitenaltar, der Marienaltar wurde von Magdalena Bönisch gestiftet (Urgroßmutter des Autors Ewald Hensl) der rechte Altar, Josefaltar, wie auch der Hochaltar wurde ebenfalls durch Spenden erworben. Die Namen der Spender sind auf Pergamentpapier in Gefäßen in die Altäre eingebaut.

 

Im Jahre 1924 hat der Budapester Maler Karl M. Reissmann die Kirche für die 200- Jahrfeier die schönen Wandgemälde, die das Kircheninnere heute noch zieren, geschaffen.

 

1938 restaurierte Soos aus Szigmundhausen die Kirche. Damals wurden durch eine großangelegte Spendenaktion der Gemeindemitglieder neue Kirchenfenster gestiftet. Die Familie Keilbach spendete das neue Kirchenportal. Friesenhahn Peter spendete die neuen Altartücher und brachte aus Arad die Materialien(Blech) für die Neuverkleidung des Kirchendaches. Bei dieser Generalreparatur wurde das Dach von Klempnermeister Peter Hollerbach neu gedeckt, und die Empore mit der Orgel wurde erweitert.

 

Unter Pfarrer Josef Eisele wurde die Kirche im Jahre 1955 elektrifiziert.

 

Die Glocken

1730 wurde von Pfarrer Mathias Novak eine 25 Pfund Glocke für das Bethaus angeschafft. Der Zeitpunkt der Anschaffung weiterer Glocken ist nicht überliefert.

 

Im Jahre 1917 hingen sechs Glocken im Turm des heutigen Gotteshauses. Während des ersten Weltkrieges wurden 5 der damals vorhandenen 6 Glocken eingeschmolzen und zu Kanonen gegossen. Ein Schicksal das damals viele Kirchenglocken ereilte. Die drei großen Glocken mit einem Gewicht von 350 kg, 250 kg und 130 kg und zwei kleinere mit je 35 kg wurden so zu Kriegszwecken missbraucht. Eine 120 kg schwere Glocke verblieb lediglich im Kirchturm.

 

An Stelle der requirierten Glocken wurden im Jahre 1922 zwei neue gekauft. Die eine trug die Aufschrift: „ In Weltkrieg verwendete Schwestern ersetze ich und will Gottesfurcht, Liebe und Frieden verkünden“.

 

Nachdem die eine der Glocken gesprungen war, wurden im Jahre 1937 auf Anregung des seit kurzem amtierenden Ortspfarrers Josef Eisele zwei neue Glocken von der Firma Dimitrie Popescu aus Bukarest angekauft. Die eine, 321 kg schwer, kaufte man für 19480 Lei. Der Betrag wurde durch freiwillige Spenden aufgebracht. Die zweite Glocke stifteten der Männergesangverein und der Jugendverein. Sie wiegt 212 kg und kostete 12762 Lei.

 

In der Kirche befinden sich gegenwärtig wieder 5 Glocken: Petrus-Glocke 448 kg Ton A, Maria-Glocke 224 kg Cis, Josef-Glocke 145 kg E, Antonius-Glocke 56 kg A. Die 5. Glocke mit einem Gewicht von 321 kg, 1922 gekauft, ist gesprungen.

 

Die Orgel

In den Visitationsakten von Bischof Joseph Lonovich wird eine alte kleine Orgel mit 4 Register erwähnt („antiquum“). Im Jahre 1860 erbaute Anton Dangl aus Arad eine Orgel mit 12 Registern: „Anton Dangl, bürgerlicher Orgel und Instrumentenmacher in Arad 1860“. Dieses Instrument hat eine mechanische Register- und Spieltraktur mit 8 Manual- und 4 Pedal-Registern.

 

Die Seelsorger der Pfarrei

  • 1724-25
    Caesar Lacour aus Lothringen (Lauer, † 29.7.1726)

  • 1726-28
    Andreas Krizsanics

  • 1728-30
    Johann Wilhelm Gäbel aus Würzburg

  • 1730-32
    MatthäusNovak aus Kärnten († 9.7.1738)

  • 1732
    Gottfried Fuchs ( 3 Monate)

  • 1732
    Damian Horsel ein Franziskanerpater (3 Monate)

  • 1733-34
    Johannes Eisenhauer aus Mainz

  • 1734-54
    Franz Komaromy (1689-1756)aus Ungarn

  • 1754
    Franz Sturm, ein Minoritenpater

  • 1755
    Johann Burgstaller;

  • 1756-68
    Jakob Schmitt, aus Deutschland

  • 1768
    Angelus Kienatter, ein Minoritenpater

  • 1769-72
    Nikolaus Marx († 27.12.1789)

  • 1772-76
    Johann Josef Herdegen de Culm et Grundlag († 13.8.1776)

  • 1777-82
    Georg Forstner (1745-82)aus Blumenthal

  • 1782-86
    Johann Necker aus Kassau

  • 1786-1814
    Leopold Holzbein (1753-1814) aus Wien wurde 1813 Dechant

  • 1815-55
    Josef Ebner (1787-1855) aus Szegedin wurde 1848 Dechant und 1852 Titulardomherr

  • 1855-63
    Bernhard Ulehlay (1787-1868)

  • 1863-69
    Dr. Karl Speth (1822-1904)

  • 1869-75
    Franz Bilszky (1819-85)

  • 1875-85
    Moritz Kassovits-Arvay (1828-92)

  • 1885
    Eduard Ertl (1824-??)

  • 1886-94
    Stefan Gittler (1836-1911)

  • 1894-1906
    Michael Lang (1848-1906)

  • 1906
    Franz Xaver Springer (1824-1908)

  • 1907
    Johann Eusch (1884-1969)

  • 1908-37
    Josef Szablar (1861-1938)

  • 1937-60
    Josef Eisele (1903-1981)

  • 1961-90
    Matthias Albert

Seit 1990 gehört unsere Gemeinde zur Pfarrstelle Perjamosch und hat somit keinen eigenen Pfarrer mehr, ein trauriges Schicksal das nicht zuletzt auf die massive Auswanderung der Banater Schwaben zurückzuführen ist. Die verbleibenden Katholiken sind überwiegend Ungarn.

 

Empfang der Sakramente

Die Firmung

Die Firmung wurde immer vom Bischof persönlich vollzogen. So erhielt die Zeremonie einen besonders feierlichen Charakter. Der bischöfliche Besuch erfolgte in regelmäßigen Abständen. Die Gemeinde bereitete dem Bischof einen festlichen Empfang am Dorfeingang beim Floriani, von wo der Festzug sich zum Pfarrhaus begab.

 

Die Friedhöfe

Die ersten Friedhöfe befanden sich im Wald. Man geht davon aus, dass die ersten Toten in Deutschsanktpeter bei der „Kerchhofwiese“ bestattet wurden. Während der Pestseuche 1738 wurden die Toten auf dem „Pestfriedhof“ nördlich des alten Fußballplatzes bestattet, später wurde behördlich die Verbrennung der Pestleichen angeordnet.

 

Der dritte Friedhof befand sich in der Frankengasse (heute Gruß Gass) neben der damaligen Kirche. Anlässlich Fundamentgrabungen für den Erweiterungsbau des Kulturhauses im Jahre 1964 fand man viele Skelette von diesem Friedhof.

 

1785 wurde ein neuer Friedhof am heutigen Standort angelegt. Diesmal außerhalb des Dorfes und auf einem Hügel, wodurch die Gräber von Unterspülungen der Marosch, die damals noch regelmäßig überschwemmte, geschützt waren. Schätzungsweise wurden 15.000-16.000 Tote bis 1990 dort beerdigt.

 

Quellennachweis

  • Bönisch, Zacharias: Monographie der Gemeinde Deutschsanktpeter, 1970 erschienen in: Neue Banater Zeitung, Temeswar

  • Becker J, Gitzing L, Klepp J F, Schmidt G : Heimatbuch Deutsch-Sankt-Peter , Herausgeber: HOG Deutsch-Sankt-Peter, Gelka-Druck und Verlags GmbH, Ettling,1991

  • Friesenhahn, Walter: Chronik und Heimatbuch der Gemeinde Deutschsanktpeter, Neumarkt 2009 auf CD

  • Dr. Franz Metz: Die Orgel von Deutschsanktpeter, Copyright © München 2008 in www.edition-musik-suedost.de

  • Petri Anton P.: Beiträge zur Geschichte des Heilwesens im Banat, Semmelweis-Vereinigung Banater Heilberufler e. V., 1988