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Archäologische Fundgrube Deutschsanktpeter

Auszug aus "Die Chronik der Gemeinde Deutschsanktpeter" von Walter Friesenhahn
Gekürzte Fassung von Ewald Hensl

Die Abteilung der Vor- und Frühgeschichte des Arader Museums besitzt eine ausführliche Dokumentation über nahezu alle archäologischen Funde im Kreis Arad. Bedeutende Funde, die unsere Kenntnisse über längst vergangene Zeiten erweitert und vertieft haben, kamen zum Beispiel in der Gemarkung der Gemeinden Sanktanna, Petschka, Glogowatz, Saderlach, Schiria und Guttenbrunn, um nur einige Ortschaften zu nennen, ans Tageslicht.
Keine Ortschaft des Arader Kreises kann jedoch so vielfältige Funde aus nahezu allen Perioden, der Urgemeinschaft, Antike, Völkerwanderungszeit und des Frühfeudalismus nachweisen wie Deutschsanktpeter. Und das alles Dank eines Mannes, der bis zu seinem Lebensende seine Zeit der Schule und dem Studium der Frühgeschichte seines Dorfes gewidmet hat: Lehrer Anton Hamerak (1894-1979).
Hunderte von Gegenständen kamen durch seine Vermittlung in das Arader Kreismuseum. Von ihm benachrichtigt, retteten Arader Archäologen wertvolle Zufallsfunde oder führten Grabungen zur Freilegung von Siedlungen oder Gräbern der Vor- und Frühgeschichte aus. Lehrer Hamerak selbst brachte 1970 ins Arader Museum Feuersteinwerkzeuge, die in der steilen Erdwand im Nordwesten des Dorfes lagen und sich als der älteste Nachweis menschlichen Daseins aus dem Spätpaläolithikum (ungefähr 80.000 Jahre v.u. Z.) westlich von Arad erwiesen.

Die Venus von Deutschsanktpeter

"Die schönste Repräsentation der neolithischen Keramik"
ein Beitrag von Egon Dörner, Arader Kreismuseum



Venus von Deutschsanktpeter
FOTO: Florin Hornoiu, MUSEUM Arad

Bei den Ausschachtungsarbeiten in der Lehmgrube der Ziegelei von Deutschsanktpeter kam das Bruchstück eines großen prähistorischen Gefäßes zum Vorschein. Dieser von Nikolaus Molnar geborgene Gegenstand wurde von Lehrer Anton Hamerak dem Arader Kreismuseum übergeben. Das dickwandige, handgeformte Bruchstück aus bräunlich-rotem Ton gehört dem Typus eines kugelförmigen Speichergefäßes an. Seinen Platz hatte es im Raum zwischen dem Hals und dem maximalen Umfang des Gefäßes.
Was diesen Fund besonders wertvoll macht, ist die Tatsache, dass dieses festgebrannte Tonfragment an der Außenseite eine 23 cm große menschliche Figur in Halbrelief trägt. Diese Gestalt stellt eine Frau mit schmalem Körper, eingeknickten Beinen sowie seitwärts gestreckten und nach unten gebogenen Händen dar. Überdimensioniert sind der lange Hals, der stark ausgeprägte Kopf, die beiden Brüste und die Hände mit den gespreizten Fingern.
Analogien mit ähnlichen Darstellungen im südosteuropäischen Raum erlauben die Identifizierung der Gestalt auf dem Gefäßbruchstück von Deutschsanktpeter mit der Figur der "Göttin - Mutter". Dies ermöglichte es, den Fund in die Jungsteinzeit (Neolithikum) einzureihen und in das 5. Jahrtausend v.u.Z. zu datieren. Die weibliche Tonplastik von Deutschsanktpeter gehört demnach einer Periode der Geschichte an, in der die frühen pflanzenbauenden und tierzuchttreibenden Völkerschaften ihre Vorstellungen von der lebensspendenden Rolle der Frau auch in ihrer magisch-frommen Art zum Ausdruck bringen. Somit versinnbildlicht die Tonplastik von Deutschsanktpeter einen Aspekt des damaligen sozialen Bewusstseins.
Historisch-archäologische Forschungen haben erwiesen, dass gerade in dieser Zeitspanne im ganzen Raum Südosteuropas die Darstellung der "Göttin - Mutter" in zahlreichen Skulpturen vorherrschend ist. Eine Beeinflussung seitens der fortgeschrittenen Kulturen des Neolithikums aus Vorderasien und des östlichen Mittelmeerraums steht diesbezüglich fest.
Einer der bedeutendsten Forscher dieses Problemkreises, Professor Dr. Anton Nieu vom Geschichte- und Archäologie-Institut "A. D. Xenopol" in Jassy, hebt die besondere Bedeutung der von ihm benannten "Venus von Deutschsanktpeter" hervor, die ihm zufolge "die schönste Repräsentation der weiblichen Göttin-Figur auf der neolithischen Keramik des Karpaten-Donau-Raums ist".

 

Von der Cris-Kultur (5.500-4.200 . v. u. Z.) wurden Gefäßstücke in D.-St.-Peter und Neuarad gefunden, ebenso von der Tisa-Kultur in Petschka sowie auch in Deutsch St. Peter. In der Ziegelei fand man Krüge, Tassen mit zwei Henkeln, Äxte, Armreifen.
Aus der Cotofeni-Baden-Kultur wurden in Deutsch .St. Peter. wie in Petschka verzierte Keramikgefäße und Dolche mit Verzierungen in Blattform gefunden.

 


Fotos von Christian Gitzing aufgenommen im Arader Museum


Bei Ausgrabungen im Jahre 1948 wurde eine Siedlung aus der Bronzezeit (2000-1150 v. Chr.) entdeckt, die der Ottomanikultur angehörte (1150-1300). Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und gehörte den Thrakern . Man fand Seiher und Schüsseln aus Keramik, sowie Äxte aus Bronze. Die meisten Funde wurden auf der ehemaligen großen Maroschinsel westlich von Deutschsanktpeter bei der großen Sandkaule, beim Magazin und beim Goliath gemacht. Viele dieser Gegenstände, die der Decea-Kultur (2100-1900 v. u. Z.) und Tisa-Kultur (2700-2000 v. u. Z.) angehörten, sind im Bukarester Historischen Museum ausgestellt.


Aus der Eisenzeit 1200-800 (Hallstadtkultur) wurden auch Gegenstände in Deutschsanktpeter und in den Nachbargemeinden Felnak und Munar gefunden.

 


Eine ausgedehnte Siedlung aus der Übergangszeit zur Bronzeepoche, die Lehrer Hamerak beim sogenannten "Kuhbrunnen" entdeckt hatte, wurde vom Arader Museum systematisch ausgegraben; so konnten eine Fülle von Tongefäßen und Feuersteinklingen geborgen werden.
Bereits 1948 hatte Direktor Marius Moga, vom Temeswarer Museum, in Deutschsanktpeter Spuren einer bronzezeitlichen Siedlung entdeckt, die der Ottomani- Kultur angehört.
Ein Bronzehortfund aus der frühen Eisenzeit (13. Jh. v. u. Z.) kam 1897 in der Gemarkung gegen Munar zutage. Er bestand aus 16 Bronzegegenständen (Ringe, Fibeln, Sägeplättchen). An die Herrschaft der Römer im Banat 106-275 erinnern die gefundenen Silbermünzen, geprägt von den Kaisern Trajanus, Hadrianus und Antonius Pius, alle aus dem 2. Jahrhundert. Außerdem wurden beim Kuhbrunnen und am Rech runde Spiegel, Fibeln, Krüge und Eisenmesser römischen Ursprungs gefunden.
Aus der Zeit 300 v .u. Z. wurde in Deutschsanktpeter auf dem Boden der Ziegelei ein dakisches Gefäß gefunden.
Zur Zeit des oströmischen Kaisers Konstantins des Grossen wurde ein Teil nördlich der unteren Donau wieder dem Römischen Reich angeschlossen. Funde von Bronzemünzen, auch auf dem Gebiet von Deutschsanktpeter aus der Zeit der Kaiser Constantius 1, Constans und Constantinus II stammend, beweisen das Aufleben des Handels im Banat.

Awaren - Reiter nach 1200 Jahren ausgegraben

Von den Wandervölkern fand man beim "Kuhbrunnen" und "im Rech" sarmatische Körpergräber aus dem 3.-4. Jahrhundert, welche als Grabbeigaben, Perlen und Spinnwirbel enthielten.
Sensation machte ein Körpergrab in dem als "Magazin" bekannten Teil der Gemeinde, das 1958 durch Lehrer Hamerak geborgen werden konnte. Es handelt sich um einen awarischen Reiter aus dem 7. Jahrhundert. Schwert, Pfeilspitzen sowie Plättchen eines Brustpanzers, alles aus Eisen, bronzene Schnallen und ein goldenes Ohrgehänge sowie eine Goldmünze des byzantinischen Kaisers Heraklius waren die reichen Beigaben des Grabes.
Außerdem wurde noch ein zweites Grab mit reichen Schmuckgegenständen aus dem 10 Jh. gefunden.
Weitere Siedlungsspuren aus dem 11.-12. Jh. fand man beim "Magazin" und im "Kuhbrunnen".

 

Die verfallene Ziegelei neben dem alten Rastplatz am gewesenen Maroscharm

Foto: N. Rennon